Gelbe Schleife Solidarität

Grußwort an die Klienten der Deutschen Kriegsopferfürsorge

Oberstarzt Dr. med. Karl-Heinz Biesold
Oberstarzt Dr. med. Biesold

von Dr. med. Karl-Heinz Biesold

„Eine akute posttraumatische Belastungsreaktion ist eine normale Reaktion eines Menschen auf eine traumatische Erfahrung. Ob diese Erfahrung in den ersten sechs bis zwölf Wochen verarbeitet wird oder ob die akute Symptomatik chronifiziert, ist hochgradig abhängig auch von sozialen Faktoren“.1

Die Bedeutung der psycho-sozialen Unterstützung nach einem Trauma ist wissenschaftlich belegt, unumstritten und der stärkste Wirkfaktor bei der Entwicklung einer PTBS. Wenn eine Soldatin oder ein Soldat Extrembelastungen ausgesetzt war, bedarf sie/er in erster Linie einer fürsorglichen Betreuung durch Angehörige, Kameraden, Freunde und gegebenenfalls professionelle Helfer. Darauf ist auch das Gesamtbetreuungskonzept der Bundeswehr (Medizinisch-Psychologisches Stresskonzept) einschließlich der Betreuung durch das psychosoziale Netzwerk am Standort ausgerichtet.

Das Problem besteht aber darin, dass nicht bereits im Augenblick einer seelischen Traumatisierung – anders als bei körperlich Verletzten – erkennbar ist, ob eine Behandlung erforderlich werden wird. Die Krankheit entsteht oft erst Monate nach dem verursachenden Ereignis, mitunter erst nach Entlassung aus der Bundeswehr. Zusätzlich erschwerend ist, dass viele Betroffene sich ihrer Krankheit schämen oder berufliche Nachteile fürchten.

Wir haben mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass traumatisierte Soldaten aufgrund ihrer Erkrankung nicht selten Schwierigkeiten haben, sich für ihre eigenen Belange einzusetzen. Ungeklärte berufliche/dienstliche Situation, Versorgungsprobleme, Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung in das Zivilleben nach Entlassung aus der Bundeswehr sind nur beispielhaft genannte Hindernisse, die auch den psychotherapeutischen Prozess – die Integration des Traumas in den Lebenskontext – blockieren.

Aus diesem Grunde begrüße ich als Psychotherapeut, der seit vielen Jahren im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg Soldatinnen und Soldaten mit einsatzbedingten psychischen Störungen behandelt, die Arbeit der Deutschen Kriegsopferfürsorge sehr. Ich  hoffe, dass es gelingen möge, eine gute Vernetzung mit den anderen Institutionen, Selbsthilfegruppen, Interessenverbänden, Dienststellen und Organisationsbereichen in der Bundeswehr zum Wohl der Soldaten zu erreichen.

Hamburg, Januar 2010

Karl-Heinz Biesold



Weiterführende Informationen von Dr. med. Biesold zur PTBS finden Sie in der >>> PDF über das BWK Hamburg und Dr. Biesold