(Wir haben aus Persönlichkeitsschutzgründen die Namen geändert, die Fälle sind exakt nachgezeichnet.)
Manuel P., Stabsgefreiter, wurde von Deutschland in mehrere Einsätze auf den Balkan geschickt. Der letzte Einsatz endete tragisch, als er einen Kameraden auffand, der sich mit seiner Dienstwaffe erschossen hatte. Eine WDB aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung wurde zwar recht schnell festgestellt, aber keine Schädigungshöhe mehr festgesetzt, da das Dienstzeitende den Soldaten aus der Bundeswehr ins Zivilleben spülte. Nach seiner Entlassung folgte Arbeitslosigkeit, Umschulung, Krankheit, zwei abgebrochene Berufsausbildungen. Ein Jahr opferte er dem Alkohol. In diesem Jahr war er nicht krankenversichert und hatte kein Einkommen. Das Versorgungsamt lehnte seinen Antrag auf Versorgung 2004 ab. Begründung: Seine Probleme lägen wohl doch eher in seiner Kindheit. Die Deutsche Kriegsopferfürsorge hat den Fall angenommen und wird beinahe zehn Jahre nach Eintritt der Schädigung dafür sorgen, dass seine Rechte gewürdigt werden, wenn nötig mit harten Bandagen.
Peter F., wird bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan in die Luft gesprengt und überlebt schwerverletzt. Zurück in Deutschland wird er gewalttätig, beginnt zu Trinken. Die Therapie in einem Bundeswehrkrankenhaus muss abgebrochen werden. Die Deutsche Kriegsopferfürsorge vermittelt eine erneute Untersuchung / Therapie und begleitet den Soldaten.
Sabine G., Ehefrau eines Afghanistan-Veteranen und aktiven Berufssoldaten, hat Angst vor ihrem Mann. Er ist nach seinem letzten Einsatz aggressiv geworden und schlägt die gemeinsamen Kinder. Nachts schließt sich Sabine G. mit ihren Kindern in der Toilette ein, um sich zu schützen. Verzweifelt bittet sie die Deutsche Kriegsopferfürsorge um Hilfe. Wir empfehlen ihr den Auszug aus der gemeinsamen Wohnung und benennen Ansprechpartner für externe Hilfe.
Carsten M., Stabsunteroffizier, Einsatz in Afghanistan an der Front, fast jeden Tag auf Patrouille. Nach seinem Einsatz wird er in einem Bundeswehrkrankenhaus behandelt und diagnostiziert. Das Gutachten bescheinigt eine PTBS, aber der Grad der Schädigung wird nur auf 30 % festgesetzt. Der Krieg in seinem Kopf will aber nicht enden, wird immer schlimmer. Er will sich nicht mehr begutachten lassen. Er lebt ohne festen Wohnsitz in Deutschland, hat an mehreren geheimen Verstecken sein Hab und Gut verstaut und wartet auf den Feind. Selbst für die Deutsche Kriegsopferfürsorge ist das ein schwerer Fall. Der entlassene Soldat meldet sich bei uns nur sporadisch und taucht dann wieder ab.
Carsten J., Stabsunteroffizier, war mit 24 Jahren in Mazar-e Sharif im Einsatz und blieb danach unversorgt und ohne Begutachtung. "Wir haben uns nach unserer Rückkehr in einen Kreis gesetzt und eine Psychologin fragte 'Hat jemand Probleme?' Wir haben uns alle angeguckt. Natürlich hatte keiner welche. Das war die Nachsorge". Nach einem Suizidversuch folgte die Einweisung in die Psychiatrie. Seine Krankenkasse rief an und bat um Betreuung. Wir entwerfen nun gemeinsam mit ihm einen Therapie- und Versorgungsplan für seine Zukunft.
Markus F., Hauptfeldwebel und Reservist, Einsatz in Afghanistan. Sein Verfahren um Anerkennung einer PTBS zieht sich bereits über Jahre hin. Verzweifelt bittet er die Deutsche Kriegsopferfürsorge um Hilfe. Wir nehmen Verbindung mit allen beteiligten Stellen auf. Sein Fachanwalt wartet auf den Termin bei Gericht, ebenso warten das Versorgungsamt und die Wehrbereichsverwaltung. Entscheiden will bis dahin keine Stelle. Er kennt seine Akte nicht, weiß nicht, was in den Gutachten steht. Wir suchen seine Akte und stellen fest, dass jede Stelle behauptet, der andere hätte die Akte. Nach zwei Wochen Suche finden wir die Akte in einer zivilen Behörde. Ein Sachbearbeiter hatte sie in einen Schrank gelegt, unbearbeitet und nicht in der Registratur vereinnahmt. Jetzt können wir endlich anfangen, das Verfahren zu beschleunigen.
Katrin F., Hauptfeldwebel, nach mehreren Einsätzen, Gewalttaten und Vergewaltigung aus der Bundeswehr entlassen und bis jetzt unversorgt. Die Verfahren laufen noch. Aber: Die Gesundheitsakte ist verschwunden. (Das ist mittlerweile die vierte "verschwundene" Gesundheitsakte, die wir sehen). Wir sollen ihr nun helfen.
Claudia R., Ehefrau eines ehemaligen Stabsoffiziers. Dieser nahm sich nach mehreren Auslandseinsätzen das Leben und hinterließ Ehefrau und zwei Kinder. Zwei Jahre später wurde zwar eine WDB festgestellt, aber kein Schädigungsgrad. Bis heute muss sie um ihre Leistungen kämpfen. Witwe und Kinder waren jahrelang nicht krankenversichert und nicht versorgt. Die Bundeswehr versucht nun, ein Gericht dazu zu bewegen, die Versorgung endgültig einzustellen, da ja nicht gesagt sei, dass sich der Mann wenige Tage vor Beginn des nächsten Auslandseinsatzes wegen seines Dienstes getötet habe.
Klaus M., Offizier. Nach mehrmaligem Einsatz wurde zwar durch Bundeswehrärzte eine PTBS diagnostiziert, aber nach zwei Jahren durch die Verwaltung abgelehnt. Das Verfahren dümpelt seit vier Jahren. Bis heute ist der Soldat unversorgt - aber entlassen. Nun fragt er uns, was er tun soll.
Karin L., nach mehrfachen Auslandseinsätzen aus der Bundeswehr entlassen, lebt heute im Ausland. Sie ist bis heute unversorgt und ohne Entschädigung. Wir versuchen nun, ihre Anträge in Deutschland einzusteuern. Nicht einfach. Aber interessant.
Bruno B., nach mehrfachen Auslandseinsätzen als Elitesoldat mit normalem DZE entlassen aus der Bundeswehr, hat keine Krankenversicherung, keine anerkannte WDB, kein Gutachten. Auch seine Gesundheitsakte ist verschwunden. Eine erfahrene und anerkannte Redakteurin, der wir ein Interview mit ihm vermittelt hatten, hat uns entsetzt angerufen: Sie habe Bruno B. für einen Interviewtermin besucht und ihn in einem schrecklichen Zustand aufgefunden.
Anton Z., eingesetzt im zweiten Irak-Krieg in Kuwait, sieben Jahre lang unterversorgt, zeitweise ohne Einkommen, drei Jahre ohne Krankenversicherung. Die Deutsche Kriegsopferfürsorge setzte sich erfolgreich für seinen Berufsschadensausgleich und die Entschädigungen durch die Bundeswehr ein. Damit ist er bis zu seinem Lebensende abgesichert.
Martina F., Stabsunteroffizier, war als Soldatin im Kosovo eingesetzt. Sie lebte zum Schluss von Hartz IV und saß bei minus acht Grad in der Wohnung weil das Heizen zu teuer war. Die Deutsche Kriegsopferfürsorge setzte sich erfolgreich für ihren Berufsschadensausgleich ein. Damit ist sie bis zum Lebensende abgesichert.
Maximilian D., Hauptfeldwebel, war der Konvoi-Führer des schwersten Anschlages auf die ISAF-Truppen der Bundeswehr in Kabul. Über Jahre musste er um seine Rechte kämpfen, war zum Schluss hoch verschuldet. Die Deutsche Kriegsopferfürsorge setzte sich erfolgreich für die Ausbezahlung der einmaligen Entschädigung ein. Nach sieben Jahren wurde diese ausbezahlt.
Steven R., Stabsgefreiter, ein im Manöver lebensgefährlich verletzter Soldat, kämpft dreizehn Jahre lang um seine Versorgung. Die Deutsche Kriegsopferfürsorge setzt alle Ressourcen ein, um ihn dabei zu unterstützen und erarbeitet gemeinsam mit der Hauptfürsorgestelle einen Weg, auf dem der schwerbehinderte Ex-Soldat in gesicherte Lebensumstände zurückfinden kann.
Thorsten F, Oberstleutnant, wurde wegen seiner posttraumatischen Belastungsstörung aus der Bundeswehr entlassen. Allerdings war die Verwundung dann doch nicht so schlimm. Jahrelang wurden Gutachten mit Gegengutachten beantwortet. Der Kamerad ist bis heute nicht krankenversichert. Aber wir stehen hier vor einem Durchbruch. Mit dem Vorschlaghammer in der Hand.
Mario B., Hauptmann, dienstunfähig und bislang komplett unversorgt, da die Bundeswehr versucht, "Kindheitstraumata" zu beweisen, anstatt die vielfachen Auslandseinsätze zu werten. Komisch nur, dass sie ihn zwölf Jahre lang beschäftigt hat - mit Belobigung nach Belobigung. Die Deutsche Kriegsopferfürsorge ermittelt.
Karl-Heinz W., Oberfeldarzt, musste in Afghanistan erschossene Kinder und sonstige Leichenteile sortieren. Das hinterlässt selbstverständlich schlimme Spuren in der Seele eines Arztes. Nach Gutachten folgt Gegengutachten. Der Arzt ist bis heute nicht versorgt, obwohl er schwer traumatisiert ist. Der Mann hat sein ganzes berufliches Leben in den Dienst verletzter und verwundeter Kameraden gestellt und wird jetzt, selber krank, nach Strich und Faden verarscht. Die Deutsche Kriegsopferfürsorge ist extrem irritiert und steht zu ihm!
Manuel K., Hauptmann d. R., wird in Afghanistan schwer verletzt und nach Deutschland ausgeflogen. Der damalige Minister der Verteidigung verspricht "alles Menschenmögliche" zu tun. Die Wehrübung wird verlängert. Dadurch kann eine Weiterbehandlung und Rehabilitationsmaßnahme abgeschlossen werden. Danach wird der Soldat als "nicht dienstfähig" und "arbeitsunfähig" entlassen. Ein Gutachter stellt die Schäden fest. Das Versorgungsamt lässt erneut und dann noch einmal begutachten. Schließlich erkennt der ärztliche Dienst, "die Schädigungen würden "keinen Grad der Schädigung von mindestens 25 v.H." bedingen". Der Soldat kämpft bis heute vor dem Sozialgericht.
Ludwig K., Stabsunteroffizier, kommt schwer traumatisiert aus Afghanistan zurück. Nach vielen Monaten stationärem Aufenthalt im Bundeswehrkrankenhaus kommt der dortige Arzt zum Ergebnis, dass ein Schädigungsgrad von "bestenfalls 25 v. H." anzusetzen sei. Der Soldat wird entlassen. Das Versorgungsamt sieht, dass es dem Kameraden sehr schlecht geht und begutachtet erneut. Der Gutachter erkennt einen Grad der Schädigung von 100.
Siegfried D., Hauptmann, muss als Nachrichtenoffizier in Afghanistan Nachrichten sichten. Es handelt sich bei diesen Nachrichten nicht um die Tagesschau. Zudem fertigt er Bildmaterial an: Kinderleichen, aus denen Gedärme hängen, eine Frau die von einer Autotüre geköpft wurde, Leichenteile, die in einem Baum hängen. Das Übliche eben. Dazu ist er ungeschützt und nahezu unbewaffnet im Großraum Kabul unterwegs, um Verbindungsleute zu treffen. Ein Bundeswehrarzt bescheinigt ihm ein schweres Psychotrauma und 70 % Grad der Schädigung. Eine zivile Gegengutachterin in Bremen, beauftragt durch das SanAmt, verneint eine Schädigung. Der Fall befindet sich seit mehreren Jahren vor Gericht.
Ludmilla T., Oberfeldwebel, wird bei mehreren KFOR Einsätzen schwer traumatisiert. Als Sanitäterin sieht sie schreckliche und widerwärtige Dinge. "Die Menschen waren zu Wölfen geworden. Und Wölfe reißen ihre Beute". Der Facharzt der Bundeswehr stellt ein schweres Trauma fest. Das Versorgungsamt hingegen nur eine leichtere Verstimmung. Die Soldatin tauchte ab. Hilfe wurde nicht zuteil. Nach acht Jahren stellt sich die Frau der Deutsche Kriegsopferfürsorge vor. Wir stehen vor einem Scherbenhaufen und vor einem chronisch traumatisierten Mensch. Der Fall befindet sich vor dem Sozialgericht.