Gelbe Schleife Solidarität

Wer oder was ist ein Fallmanager in der DKOF?

Was bedeutet es, Fallmanager oder Fallmanagerin in der DKOF zu sein? Wie wird man dazu ausgebildet? Wie arbeiten diesen Fallmanager und wie werden sie bezahlt?

Diese Fragen beantworten wir hier:

Wie arbeitet ein Fallmanger in der DKOF?

Das Wichtigste: Komm- oder Geh-Struktur?

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Strukturen in Deutschland sitzen wir als Fallmanager nicht zu bestimmten Öffnungszeiten bei uns im Büro und warten darauf, dass ein Hilfesuchender mit seiner Bitte zu uns kommt.

Wir gehen dort hin, wo wir gebraucht werden und unsere Hilfe direkt ansetzen kann: Zu den Betroffenen! Gerade bei Veteranen, die auf Grund einer schweren Traumatisierung im Einsatz an einer PTBS leiden, durchbrechen wir so die negative Spirale aus sozialem Rückzug, Isolation, Depression und Überforderung.

Der Fallmanager und sein Klient:

  • Wir sind keine Therapeuten und steigen nicht in die PTBS unserer Kameraden ein
  • Wir sind keine Juristen und geben keine Rechtsberatung
  • Wir sind keine Mediziner und keine Gutachter oder Traumatologen

Der Fallmanager als Begriff:

Unsere Fallmanager verstehen wir als "casemanager". Dieser Begriff wurde in den 1970er Jahren in den USA entwickelt. "Case" steht hier nicht für die betroffene Person als "Fall", sondern wird vielmehr als die Situation des Betroffenen verstanden, die so problematisch ist, dass er ohne Hilfe nicht mehr herauskommt. Casemanagement versucht mit dem Betroffenen gemeinsam einen Weg aus dieser Sackgasse zu finden.

Der Fallmanager bei der Arbeit:

In der Regel meldet sich ein Betroffener bei der DKOF per Telefon oder Email, selten per Post, und bittet um Hilfe. Nach der ersten Analyse seiner Situation beginnt ein kooperativer Prozess: Mit dem Hilfesuchenden zusammen wird eine konkrete Bedarfslage analysiert: Wo drückt der Schuh? Was ist dringend? Wie soll oder kann geholfen werden?

Der Fallmanager gibt praktische Tipps zum weiteren Vorgehen, und der Betroffene handelt eigenständig. So kann dieser dann z.B. seine Ansprüche bei Verwaltungen und Behörden besser durchsetzen. Wo dies nicht möglich ist, nehmen unsere Fallmanager den Betroffenen diese Schritte ab. Wo immer notwendig, ziehen wir externe Fachleute hinzu. Wir arbeiten mit Stellen und Ämtern innerhalb und außerhalb der Bundeswehr zusammen, verstehen uns als Drehscheibe und gleichen die erzielten Ergebnisse immer wieder mit dem Betroffenen zusammen ab. Unser Ziel entspricht unserem Motto: "Zurück ins Leben". Neben einer angemessenen Versorgung stehen daher Betreuung, Fürsorge und Perspektive für uns im Vordergrund. Dabei berücksichtigen wir immer die Situation des Betroffenen: Ist eine Therapie für diese Person das Wichtigste oder das Verhindern der Obdachlosigkeit? Muss eine Wehrdienstbeschädigung beantragt werden oder eine Akte gesucht werden? Jeder Hilfesuchende erhält genau dort die Unterstützung, wo er oder sie diese benötigt.

Fakten: Wie sieht unser Ausbildungsplan aus?

Tätigkeitsbeschreibung - Fallmanagement in der Deutschen Kriegsopferfürsorge (DKOF gUG - haftungsbeschränkt)

Das Fallmanagement innerhalb der DKOF orientiert sich an den Kernkompetenzen, die durch die „Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management“ definiert worden sind. Unter der Berücksichtigung der besonderen Zielgruppe von im Auslandseinsatz versehrten, verwundeten oder traumatisierten Soldatinnen und Soldaten gehören hierzu für einen Fallmanager Aufgaben in einem komplexen Feld von Kooperation, Maßnahmenplanung und Leistungssteuerung.

Ausbildung

Die Ausbildung unserer Fallmanager führt die DKOF selbst durch. Sie ist in Module gegliedert, in denen der Fallmanager Einblicke in die Arbeit der DKOF bekommt. Er soll an die Verfahrensweisen und Standards des Fallmanagements für betroffene Soldatinnen und Soldaten nach deren Einsätzen und deren betroffenen Familien herangeführt werden. Das Erlernen verschiedener Schlüsselkompetenzen steht genauso im Vordergrund der Ausbildung, wie die praktische Betreuung verletzter oder traumatisierter Soldatinnen und Soldaten in der Suche nach geeigneten Partnern im Bereich Betreuung, Fürsorge, Versorgung und einer möglicherweise anstrebenswerten Wiedereingliederung in das berufliche Leben.

Module der Ausbildung (wird an den jeweiligen Ausbildungsbedarf angepasst):

  •  Rechtliche Grundlagen und organisatorische Maßnahmen
  •  Einführung in die organisatorischen Abläufe des Fallmanagements in der DKOF
  •  Bürokommunikation
  •  Aufbau von Beratungsgesprächen
  •  Einführung in gesetzlichen Rahmenbedingungen: Soldatenversorgungsgesetz/Bundesversorgungsgesetz/Einsatzversorgungsverbesserungsgesetz
  •  Kommunikation mit Behörden
  •  Förderung der Medienkompetenz / EDV-Kompetenz
  • Ausbau der Kenntnis der medizinischen und sozialen Infra- und Versorgungsstruktur (zivil und Bundeswehr)
  • Einführung in das "Handbuch für Fallmanager" (Eigenentwicklung der DKOF)

Module der praktischen Arbeit unter Anleitung als Fallmanager (wird an den jeweiligen Ausbildungsbedarf angepasst):

  • klientenorientiertes Arbeiten unter Anleitung eines erfahrenen Fallmanagers
  • kooperative Zusammenarbeit mit Behörden
  • Zusammenhänge erkennen und daraus Handlungsmöglichkeiten ableiten
  • Kritik- und Konfliktfähigkeit fördern
  • Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein stärken
  • Koordinationskompetenz verbessern
  • Vermittlungskompetenz stärken
  • Begleiten von Klienten bei Behördengängen
  • Hilfestellung beim Ausfüllen von Formularen
  • Aufklärung betroffener Soldaten über mögliche Ansprüche nach dem SVG / BVG
  • Reflexion der geleisteten Arbeit / Selbstreflexion, Urteilsbildung und Selbstorganisation
  • Supervision: Wie schütze ich mich selbst? – Umgang mit belasteten Betroffenen

Modul "Vertiefung der erworbenen Kenntnisse":

  • Selbstständiges Arbeiten gem. den Richtlinien des Handbuches für Fallmanager der DKOF
  • Einführung in die Ausbildungsrichtlinien der Deutschen Gesellschaft für Case-Management
  • Einweisung in das Fundraising und Sponsoring von gemeinnützigen Organisationen

Ausbildungsstätte:

Die regelmäßige Ausbildungsstätte ist die Geschäftsstelle der DKOF in Berlin:

Deutsche Kriegsopferfürsorge gUG (haftungsbeschränkt)
Joachimstaler Straße 19
10719 Berlin

Seminare und Weiterbildungen können auch in anderen Ausbildungseinrichtungen durchgeführt werden und finden bundesweit statt. Der Ort der tatsächlichen Tätigkeit als Fallmanager richtet sich nach dem Wohnort des Fallmangers und dem Wohnort des Betroffenen.

Fakten: Lohn, Aufwandsentschädigung, Vergütung, Ehrenamt, Reisekosten - was verdiene ich als Fallmanager?

Als Fallmanager oder Fallmanagerin in der DKOF "verdienen" Sie Respekt und Anerkennung, und wenn Sie sich erfolgreich engagieren, erhalten Sie meist ein dankbares Lob des Betroffenen.

Geld "verdienen" Sie durch diese ehrenamtliche Tätigkeit nicht. Wir entlohnen Ihre Zeit nicht mit einer Aufwandsentschädigung, wir bezahlen keinen Lohn und kein Gehalt. Wenn Sie dies erwarten, sind Sie bei uns an der falschen Adresse. Wir versprechen Ihnen aber, dass Sie von den betroffenen Menschen, denen Sie selbst helfen konnten, viel an Dankbarkeit zurück erhalten. Uns persönlich ist das jedes Mal ein neuer Antrieb, mit dieser spannenden Aufgabe weiter zu machen.

Wir unterstützen Sie jedoch in Ihrer Arbeit durch die Übernahme von Reisekosten oder Auslagen für die Bürokommunikation. Unsere Weiterbildungen sind für Sie als Fallmanger kostenfrei - wenn wir Sie zu einem mehrtägigen Seminar einladen, übernehmen wir auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung.

Sofern Sie die Beratung und Hilfe unserer externen Fachleute in Anspruch nehmen (Rechtsanwälte, Psychologen usw.) fallen hier keine Kosten für Sie an, Ihre persönliche Supervision ist für Sie ebenfalls kostenfrei.

Bei Kostenerstattungen orientieren wir uns an den Sätzen, die durch die Finanzämter für Dienstreisen anerkannt werden (z.B. derzeit 0,30 Euro/km bei Fahrten mit dem eigenen Kfz).

Falls Sie die Arbeit unserer Fallmanager untestützen wollen, aber selbst nicht die Zeit haben, ein solcher zu werden, dürfen Sie gerne eine Spende an uns überweisen (oder bei anderen darum werben) - Sie sehen, wir investieren Ihr Geld direkt und konkret in Hilfe für andere Menschen!

Wenn Sie uns helfen wollen, können Sie Fallmanager werden.

Wie das genau vor sich geht und was dabei zu tun ist, lesen Sie hier:

Als erstes werden unsere Fallmanager gezielt ausgesucht und gewissenhaft überprüft.

Wieso diese Überprüfung?

Wir kennen Sie noch nicht. Sie kennen uns noch nicht. Wenn Sie sich bei uns als Fallmanager engagieren wollen, ist der erste Schritt das persönliche Kennenlernen. 

Da wir bundesweit arbeiten und moderne Kommunikationsmittel für unsere Arbeit benutzen, steht die Kommunikation per Telefon und Email im Vordergrund. Aus Sicherheitsgründen können wir aber nicht per Internet Fallmanager aussuchen. Dies geht nur durch persönlichen Kontakt.

Da wir zum Teil mit sehr sensiblen persönlichen Daten umgehen müssen, Akteneinsicht in Gesundheitsakten erlangen oder private Schreiben lesen müssen, verpflichten wir unsere Fallmanager schriftlich zur Verschwiegenheit - und ermächtigen sie danach, als Fallmanager für die DKOF arbeiten zu dürfen. Erst wenn Sie diesen Schritt mit uns gemeinsam gehen, können Sie als Fallmanager bei uns arbeiten.

Nachdem Sie dieses gelesen haben und immer noch Fallmanager werden möchten, wie gehen Sie vor?

1. Am Anfang steht Ihr Wunsch, bei uns Fallmanager zu werden. Teilen Sie uns dies bitte schriftlich mit.

Wir kennen Sie noch nicht persönlich - und Sie kennen uns noch nicht. Daher erbitten wir von Ihnen zunächst eine schriftliche Bewerbung. Keine Sorge, wir interessieren uns nicht für Ihre Zeugnisnoten aus Schule und Beruf, aber wir bitten Sie uns mitzuteilen, wer Sie sind, warum Sie sich für eine Tätigkeit bei uns interessieren und warum Sie der Meinung sind, dass Sie eine gute Ergänzung bei uns im Team wären. Bitte fügen Sie Ihrer Bewerbung die Kopie eines Ausweisdokumentes bei (Vorder- und Rückseite).

2. Ein Fallmanager muss Zeit investieren. Überlegen Sie sich gut, ob Sie das wollen und können.

Sie arbeiten bei uns ehrenamtlich und freiwillig. Sie bestimmen daher Ihren Zeitplan selbst. Aber überlegen Sie vorher gut, ob Sie diese Zeit für andere Menschen haben. Wenn Sie erst einmal als Fallmanager arbeiten, werden Sie auch zur Bezugsperson für Betroffene, dafür benötigen Sie Zeit - daher wäre es schade, wenn wir diese Bezugsperson zu oft auswechseln müssten.

3. Wir prüfen nach Ihrer Bewerbung zunächst unseren Bedarf.

Es kann also sein, dass wir Ihre Bewerbung zunächst nicht annehmen können, weil wir zurzeit in einzelnen Bundesländern bereits hinreichend über Mitarbeiter verfügen. Wir orientieren uns dabei an der Anzahl der Betroffenen, die unsere Hilfe benötigen. Falls Bedarf besteht, laden wir Sie zunächst zu einem ersten Gespräch mit der Geschäftsführung der DKOF ein. Falls wir danach immer noch gemeinsam der Meinung sind, dass wir gut zusammen arbeiten könnten, erhalten Sie eine Einladung zu einem unserer Fallmanager-Seminare. Dort erhalten Sie eine erste Einweisung, lernen andere Fallmanager kennen, verpflichten sich danach schriftlich, sich an unsere Regeln für Fallmanager zu halten und erhalten daraufhin eine schriftliche Ermächtigung, für die DKOF tätig werden zu dürfen.

4. Wir lassen Sie nicht alleine.

Sie arbeiten im Team. Als Mentor erhalten Sie einen erfahrenen Fallmanager an Ihre Seite, der Sie in Ihren ersten Schritten begleitet und berät. Außerdem stehen Ihnen nach dem Seminar unsere externen Fachleute als direkte Ansprechpartner zur Verfügung (Psychologen, Verwaltungsfachleute, Juristen). Weiterbildungen und ein regelmäßiger Austausch gehören für uns dazu - wir lassen Sie nicht alleine!